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  • jeanninebruderer

Meine Top 10 - was einen guten Coach ausmacht

Aktualisiert: Juni 10


Ich leite seit 2009 die NDC Showgruppe BEquest und habe 2006 meine Ausbildung zur Tanzlehrerin im NDC Basel unter der Leitung von Jasmin Weder Wessels gemacht. Mittlerweile darf ich nun bereits selbst angehende Tanzlehrer*innen im New Dance Center Basel (Jasmin Weder Wessels) und der Chibu Tanzschule in Uster (Audrey Moreno) unterrichten. In all dieser Zeit, in der ich als Schülerin, Tänzerin, Trainerin und Choreografin meine Erfahrungen sammeln durfte, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ein guter Coach für mich ausmacht. Mit diesem Beitrag stelle ich euch meine persönlichen Top 10 vor und hoffe damit weitere Coaches und Tänzer*innen mit diesen Ansichten zum Austausch anzuregen und vielleicht sogar inspirieren zu dürfen. :)



Als Coach, aber auch generell bei allem was ich in meinem Leben mache, ist es mir sehr wichtig, immer zu wissen, wieso ich etwas mache. Deshalb lege ich grossen Wert darauf, mir vor jeder Unterrichtsstunde folgende Fragen klar zu beantworten:

  • Wieso mache ich das?

  • Wieso investiere ich so viel Energie, Zeit und Liebe in das was ich mache?

  • Was will ich erreichen?

Diese Fragen müssen klar sein, damit ich selbst motiviert bleibe und meine Schüler mit meinem Enthusiasmus begeistern kann. Denn wie sollen meine Schüler motiviert sein, wenn ich es nicht bin?

Für mich ist die Beantwortung der Frage ganz einfach: "weil ich es liebe". Es gibt nichts Schöneres für mich, als Menschen zu unterstützen sich weiter zu entwickeln. Ihnen Tools zu geben, die sie auch im Alltag unterstützen ihre Träume und Visionen zu erreichen. Zeit zu kreieren, in der wir gemeinsam wachsen können und stärker werden. Momente, in denen wir den Alltag, die Sorgen und negativen Einflüsse einfach vergessen können. Ein Ort, wo jeder einfach sich selbst sein kann und sich in seiner schönsten und pursten Art ausleben und entwickeln kann.

Im Anschluss stelle ich mir dann immer die Frage, habe ich mein Ziel erreicht und wenn nicht, was braucht es, dass ich dies das nächste Mal erreiche? Es ist nicht schlimm, wenn Ziele nicht erreicht werden. Wenigstens habe ich es versucht. Aber wichtig dabei ist die Reflektion darüber, weshalb es dieses Mal nicht funktioniert hat und was ich das nächste Mal optimieren kann.

Dieser Punkt ist so ziemlich in jedem Lebensbereich für mich von enorm grosser Wichtigkeit. Mit der Kommunikation steht und fällt mein Erfolg. Ich muss mir in meiner Kommunikation immer wieder klar werden, dass mein Gegenüber keine Ahnung von dem hat, was ich mir vorstelle und wie ich etwas gerne hätte. Zudem muss mir selbst zuerst Punkt 1 (was will ich?) klar sein und dann muss ich mir überlegen, wie ich dies so einfach wie möglich kommunizieren kann.

Damit meine Schüler überhaupt die Möglichkeit erhalten, meine Erwartungen zu erreichen, ist die Arbeit bei mir, ihnen dies klar und verständlich zu veranschaulichen. Wichtig ist dabei Raum für Fragen zu zulassen, keine Frage als blöd oder unnötig abzustempeln, den Schülern Mut zu machen Fragen zu stellen und selbst Rückfragen zu stellen, damit ich sicher sein kann, dass es beim Empfänger richtig angekommen ist. Ein schlechtes Ergebnis ist selten die Schuld des Gegenübers, sondern mein Mangel an klarer und verständlicher Kommunikation.

Ich kann nicht erwarten, dass Sie meine Gedanken erraten und perfekt umsetzen können. Ich verssuche hier immer möglichst offen zu sein und heraus zu finden, was mein Gegenüber benötigt, dass wir das gleiche Verständnis haben. Nur weil es für mich klar ist, heisst das noch lange nicht, dass dies die richtige Erklärung für den Anderen ist. Ich versuche hier mich in die Gegenseite zu versetzen oder eine Beobachterperspektive einzunehmen, um heraus zu finden, was meine Schüler*innen benötigen. "Keeeeep it simple" und Fragen zulassen/stellen sind hier mein Schlüssel zum Erfolg.

Für meine Glaubwürdigkeit als Coaches ist es mir wichtig, dass ich weiss von was ich rede. Hier gilt es immer und immer wieder auch die Funktion zu tauschen, mich weiter zu bilden und immer wieder in die Rolle des Schülers zu schlüpfen. Denn ich habe nie ausgelernt und es gibt immer wieder neue Sachen zu entdecken, welche mein Training dann wieder mit neuen Ideen bereichert.

Für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt, der auch in direkter Verbindung zur Glaubwürdigkeit steht. "Übe dich selbst in den Sachen, die du predigst". Ich kann noch so viele Bücher lesen und mir Wissen über etwas aneignen, aber solange ich diese Sachen nicht selbst übe oder meine Erfahrungen damit mache, steht es mir nicht zu, diese zu unterrichten oder von meinen Schülern zu verlangen. Mir wurde dies auch sehr klar, als ich begonnen habe meine zweite grosse Liebe zum Meditieren zu unterrichten. Wieso erkläre ich meinen Schülern, dass es eine tägliche Regelmässigkeit benötigt im Meditieren, um meine Hirnstrukturen aktiv zum Guten zu verändern, wenn ich selbst aber nur einmal in der Woche mich eine halbe Stunde hinsetze und das übe? So kann ich ja die Erfahrung selbst gar nicht sammeln oder erfahren. Deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, die Themen die ich unterrichte und von meinen Schülern erwarte, auch selbst aktiv zu machen und zu üben.

Es ist erwiesen, dass wir, wenn wir etwas mit Spass und Freude lernen, nur 10 bis 20 Repetitionen benötigen bis sich in unserem Gehirn eine neu Synapse gebildet hat. Wenn wir jedoch etwas unter Stress und Druck lernen müssen, benötigt es bis zu 400 Repetitionen (Quelle: Dr. Karyn Purvis). Deshalb ist es mir gerade beim Erlernen von neuen Techniken, Choreografien etc. wichtig, dies mit Spiel und Spass zu verbinden. Ich sage auch gerne, dass wir hier die Kinderaugen behalten müssen. Ein Kind wertet nicht, ob es das gesehene schafft oder nicht schafft. Es sieht etwas, dass es toll findet und macht es nach, ohne darüber nach zu denken und nach wenigen Wiederholungen ist es gelernt und umgesetzt. Deshalb macht es in meinen Augen Sinn, zuerst etwas in einer lockeren Atmosphäre mit Spass und Kinderaugen zu lernen und wenn z.B. die Choreografie dann sitzt, den Druck zu erhöhen und mehr Leistung zu fordern. Gerade in den Showgruppen ist der Zeitdruck immer sehr hoch und es muss vieles in kurzer Zeit erlernt werden. Deshalb sage ich meinen Schülern immer, wenn ich merke, dass Sie zu angestrengt sind, wenn wir etwas lernen, dass Sie etwas mehr lachen und Spass haben sollen, denn wir haben keine Zeit diese Schritte 400 Mal zu repetieren :D

Eine klare Struktur und Vorbereitetsein, ist für mich das A und O eines professionellen Unterricht. Natürlich muss hierbei nicht jede Minute durchstrukturiert sein. Es kann durchaus auch Phasen für die künstlerische Freiheit und zum Üben und Ausprobieren eingeplant werden. Aber wie bereits unter dem ersten Punkt erwähnt, will ich als Coach mit einem Plan und einem Ziel in meinen Unterricht gehen. Dies sorgt auch für weniger Stress auf beiden Seiten, da dann immer klar ist, was passiert, was erwartet wird und was zu leisten ist. Zudem vermeidet es unproduktive und ineffiziente Phasen. Denn unter Stress kann das Gehirn nicht kreativ arbeiten. Wenn ich aber als Coach meinen Plan habe und somit keinen Stress, ist es kein Problem im Unterricht direkt kreativ neuen Inhalt zu kreieren oder den Unterricht optimal auf die Teilnehmer anzupassen.

Als guter Coach ist es nicht nötig über alle Themen Bescheid zu wissen oder in allem der Profi zu sein, aber es ist wichtig ein gutes Netzwerk an professionellem Wissen zu haben, damit ich meinen Schülern bei Fragen, die ich selbst nicht beantworten kann, Hand bieten kann.

Meine Aufgabe als Coach ist es, die Stärken und Schwächen meiner Schüler*innen zu analysieren und zu kennen. Hierbei sollen die Stärken hervorgehoben werden und die Schwächen als mögliche Entwicklungsfelder erkannt werden. Oft sehe ich, dass zu Schwächen ein falsches Verhältnis entwickelt wird. Nur weil ich in etwas nicht stark bin, heisst dies nicht, dass ich schlecht bin, sondern dass sich hier eine Möglichkeit aufmacht mich weiter zu entwickeln und besser zu werden. Es ist meine Aufgabe als Coach diese Felder zu erkennen und den Schüler*innen durch konstruktive Kritik bei der Weiterentwicklung zu helfen. Unter konstruktiver Kritik verstehe ich das klare kommunizieren, was nicht richtig ist oder noch nicht meinen Erwartungen entspricht und aber im gleichen Zug dem Lernenden zu erklären, was es braucht, dass er dies anschliessend richtig ausführen kann und somit meine/seine Erwartungen erfüllt.

Ich als Coach habe einen sehr grossen Einfluss auf meine Schüler*innen und dieser Verantwortung muss ich mir bewusst sein. Ich kann vor meinen Schülern*innen nicht sagen: "dein Körper ist dein Kapital, also behandelt euch gut, gebt euch Ruhe, erholt euch, stärkt euch, esst gut und regelmässig etc." aber selbst befolge ich nichts davon.

Zudem bin auch ich es, die die Stimmung und Atmosphäre meiner Stunde kreiert. Es ist mein Job gut gelaunt und mit dem Mindset in die Stunde zu gehen, welches ich von meinen Schülern verlange.

Am Ende sind wir Coaches aber alle auch nur Menschen, welche Fehler machen und nicht perfekt sind. Hier finde ich es erst recht wichtig, dass ich zu diesen Fehlern stehe, darüber lache und sie beim nächsten Mal versuche besser zu machen. Denn wenn wir Fehler zulassen und Sie als mögliches Entwicklungsfeld, anstatt etwas Negativem anerkennen, dann ermögliche ich auch meinen Schüler*innen ein positives Verhältnis zu Fehlern und gebe Ihnen Mut auch Fehler machen zu dürfen.


"Wir definieren uns nicht über unsere Fehler, sondern darüber, wie wir sie wieder korrigieren."

~ Unbekannt ~


In diesem Sinne danke ich dir für deine Zeit, die du dir genommen hast, um meinen Beitrag zu lesen. Ich hoffe du konntest wertvolle Inspiration daraus gewinnen und bin bereits gespannt mit dir in den Austausch zu gehen und von deinen Erfahrungen lernen zu dürfen.


Fühl dich umarmt,

Deine Jeannine


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